Antwort von MdB Carsten Träger, SPD Bundestagsfraktion, auf unseren offenen Brief

Carsten Träger, Mitglied der SPD Bundestagsfraktion und Obmann im parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung nahm auf unseren offenen Brief wie folgt Stellung:

Vielen Dank für Ihre Anfrage, welche mich speziell als Nachhaltigkeitspolitiker bewegt. Ich danke Ihnen für Ihren Hinweis auf die zunehmenden Schwierigkeiten für Werkstätten und andere Reparaturbetriebe bei der Beschaffung von Ersatzteilen – das läuft in der Tat dem gemeinsamen Ziel der Senkung der Ressourceninanspruchnahme diametral entgegen. Leider kann ich Ihnen ad hoc keine Lösung des Problems versprechen, aber ich werde mich mit meinen Kollegen aus dem Fachbereich abstimmen, wie wir gegen diese Entwicklung vorgehen können.

Denn angesichts der Endlichkeit der natürlichen Rohstoffe aber eben auch zunehmend erschwerter Abbaubedingungen, handelsverzerrender Ressourcenpolitiken sowie absehbarer Preis- und Verteilungskonflikte bei mineralischen und energetischen Rohstoffen ist die Verringerung des Ressourcen- und Materialverbrauchs notwendig. Nur eine zeitgemäße Politik der Ressourcenschonung und der effiziente Umgang mit ihnen sichert Gerechtigkeit. Neben der Steigerung der Ressourceneffizienz und der Senkung unseres Pro-Kopf-Rohstoffbedarfs ist ein intelligentes Reparaturverhalten unabdingbar.

Wir müssen den Ressourcenverbrauch in den Industriestaaten senken und dies zu einem Erfolgsmodell machen, weil die Ressourceninanspruchnahme durch die wirtschaftliche Entwicklung der Schwellenländer sonst zu explodieren droht. Daher ist es erforderlich, Ziele zur absoluten Senkung der Ressourceninanspruchnahme zu definieren und eine Möglichkeit finden gegen den Trend der Wegwerfgesellschaft anzugehen. Tatsächlich haben wir in den letzten zwei Jahrzehnten in Deutschland eine absolute Senkung des Rohstoffeinsatzes um etwa 13% erreicht, sie ist aber noch viel zu gering, um international als Orientierung dienen zu können.

Zur Senkung des absoluten Rohstoffverbrauchs müssen wir die Kreislaufwirtschaft weiterentwickeln. Wir müssen als Gesellschaft noch mehr Abfälle vermeiden, mehr Wertstoffe im Kreislauf führen, mehr Abfallarten besser stofflich verwerten und Dinge, welche erhaltbar sind reparieren. Wir brauchen innovative Ideen für Wiederverwendung. Hersteller sollen angehalten werden, ressourcenschonende, langlebige, reparier- und recycelbare Produkte zu schaffen. Hierzu können finanzielle Anreize ebenso beitragen wie Recyclinglabels. Wir plädieren dafür, dass Verbraucher /Innen Informationen über die Lebensdauer, die Lieferbarkeit von Ersatzteilen, Reparaturmöglichkeiten beim Kauf von Produkten erhalten und über die ökologischen Vorteile von langlebigen Produkten informiert werden.

Wir wollen, dass bei der Anwendung der Ökodesign-Richtlinie neben der Betrachtung des Energieverbrauchs auch der Ressourcenverbrauch stärker berücksichtigt wird und der Anwendungsbereich schrittweise auf weitere Produktgruppen neben den energieverbrauchsrelevanten erweitert wird. Wir wollen Angebote zur betrieblichen Ressourceneffizienzberatung ausbauen, denn der sparsame Umgang mit Rohstoffen und Energie ist für Unternehmen eine betriebliche Notwendigkeit. Die Verringerung des absoluten Rohstoff- und Materialverbrauchs ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit und birgt gleichzeitig große Chancen. Wir wollen nicht nur selbst unseren Rohstoffverbrauch aus Gründen der Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit reduzieren, sondern vor allem den Schwellenländern zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und eine Senkung des Ressourceneinsatzes Hand in Hand gehen können.

 

 

Christine Ax

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