RepairSalon Böblingen: Repair Café für Großgeräte
Repair-Café und offene Werkstatt in einen Topf, einmal umrühren: Heraus kommt der RepairSalon. So beschrieb Martin Langlinderer sein neues Projekt, das er im Rahmen des Netzwerktreffens des Runden Tisch Reparatur in Reutlingen vorstellte. Seit Juli betreibt er dort eine Werkstatt, in der Menschen ihre Waschmaschinen, Trockner und Spülmaschinen gemeinsam mit ihm reparieren.
Das Konzept: mit den Menschen reparieren, nicht für sie
Zwischen professionellem Kundendienst und kompletter Eigenreparatur klafft im Bereich Haushaltsgroßgeräte eine Lücke. Martin will sie mit einem festen Ort schließen, der nur für Reparatur da ist. Der Leitsatz des RepairSalons in Böblingen lautet: Repariert wird nicht für die Kund*innen, sondern mit ihnen. Wer eine kaputte Maschine bringt, schraubt selbst mit. So entsteht ein Reparaturerlebnis, Wissen über das eigene Gerät und die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können. Damit greift Martin den ursprünglichen Gedanken ehrenamtlich organisierter Reparatur-Initiativen auf.
Damit sich die Werkstatt selbst trägt, setzt er auf mehrere Standbeine:
- Schulungen und Kurse, etwa zur richtigen Dosierung von Waschmittel oder zur Reinigung der Geräte
- Grundreinigung und Generalüberholung als Spezialangebot, zum Beispiel für Wärmepumpentrockner
- Verkauf von gebrauchten und neuen Ersatzteilen
- Verkauf von überholten Gebrauchtgeräten
- Kooperationen in der Ausbildung im Bereich Elektrotechnik
- Gewerbliche Werkstattnutzung außerhalb der Öffnungszeiten, bei der Reparaturbetriebe die Räume stundenweise mieten
Abgrenzen möchte Martin den RepairSalon sowohl vom Repair-Café als auch von der Offenen Werkstatt. Repair-Cafés mieten oft einmal im Monat für ein paar Stunden Räume an und schleppen jedes Mal ihr Werkzeug mit. Offene Werkstätten sind stärker auf kreatives Selbermachen ausgerichtet. Der RepairSalon ist dagegen ein dauerhafter Ort mit Fokus auf Reparatur, mit Spezialwerkzeug und Ersatzteilen vor Ort.
Vom ehemaligen Barbershop zur Werkstatt
Gefunden hat Martin seinen Standort mitten in Böblingen in einem Einkaufszentrum mit viel Leerstand. Die 77 Quadratmeter waren früher ein Barbershop. Von März bis Juli 2026 hat er die Fläche mit Familie, Freund*innen und Bekannten umgebaut. Heute gibt es Werkplätze mit Wasser, Abwasser und FI-gesichertem Stromanschluss sowie einen Testarbeitsplatz mit Strommessgeräten, Notabschaltung und mehreren Anschlüssen. Dazu kommen ein Lager, eine kleine Küchenecke und ein komplett saniertes Bad. Ein altes Leuchtschild wurde zur Außenwerbung umgebaut. Von der ersten Anfrage zur Mietfläche bis zur Eröffnung vergingen gut sieben Monate.
Was der RepairSalon kostet
Bis Mitte Oktober 2026 hat der RepairSalon rund 8.500 Euro gekostet. Für eine offene Werkstatt ist das wenig, dort ist man bei größeren Vorhaben schnell im sechsstelligen Bereich. Etwa 5.000 Euro waren einmalige Kosten. Davon gingen rund 2.800 Euro in Baumarktmaterial für Elektrik, Licht, Wände und Sanitär. Hinzu kamen Ausstattung wie Werkzeug, Ersatzteile und Reinigungsmittel für 800 Euro, ein Hublift für 800 Euro, Videoüberwachung für 350 Euro und die Eröffnung für 250 Euro. Die laufenden Kosten liegen bei etwa 500 Euro im Monat. Die Böblinger Baugesellschaft kommt Martin bei der Miete entgegen, regulär läge sie bei rund 500 Euro. Die monatlichen Kosten sollen über Spenden und Verkäufe gedeckt werden.
Ausblick
Bisher wird der dauerhaft gemietete Laden nur sechs Stunden pro Woche genutzt. Mit mehr Mitmachenden kämen weitere Termine und Gerätegruppen dazu. Langfristig könnte sich das Konzept als Social Franchising verbreiten.
Wer in der Region Stuttgart mitmachen oder Geräte spenden möchte, findet ihn dienstags und donnerstags ab 18 Uhr in Böblingen.
Aufzeichnung des Vortrags beim Netzwerktreffen des Runden Tisch Reparatur:


